Die wunderbare Welt des Verborgenen – Eine Kurzgeschichte

blumenmädchen

Ein Buch für Julia D.

von Katrin B.

Kapitel 1 – Mit Frack, Zepter und Zylinder

Auf einem kleinen Hügel, unweit eines bescheidenen, kleinen Häuschens, stand ein kleines Mädchen im lauen Sommerwind auf einer Wiese und atmete mit geschlossenen Augen den Duft von Lavendel und Flieder ein. Ihre Arme hatte sie weit ausgestreckt und es wirkte als wünschte sie sich, dass der Wind sie wie ein kleines Vögelchen davonträgt. Die Sonne strahlte hell und hüllte ihre zarte Silhouette in einen goldenen Glanz. All dies beflügelte das Mädchen und mit einem leichten Lächeln auf den Lippen, die langen, braunen Haare ins Gesicht geweht, fing sie an zu tanzen.

Die Kleine tanzte für ihr Leben gern und vergaß dabei alles um sich herum. So kam es, dass sie nicht bemerkte, dass ihre Schritte sie immer weiter zu einem recht unbekannten Ort trugen. Mystisch und verborgen liegt er Jahr für Jahr am selben Ort und zeigt sich nur dann, wenn ein Mensch wahrer Größe und reinen Herzens sich nähert.

Der Schock traf das Mädchen allerdings so plötzlich, wie man es sich nur vorstellen kann, wenn man aus dem Bekannten ins Unbekannte stößt. Als ihre nackten Füße den nassen, kalten Boden berührten hielt sie so abrupt inne, dass sie hinplumpste. Irritiert blickte sie sich um.

Diese nasse, kalte Sumpflandschaft war ihr vorher nie aufgefallen, egal wie weit sie sich von zuhause entfernt hatte. Als sich ihr dieser Gedanke erschloss, lief ihr ein leichter Schauer über den Rücken.

Nachdem sie wieder etwas Mut gefasst hatte, bemerkte sie nur ein paar Meter entfernt vor sich den Eingang einer Höhle. Bei dem Anblick, der sich ihr dort bot, rieb sie sich so heftig die Augen als müsse sie den Schlaf der letzten Nacht vertreiben.

Und man konnte es ihr wahrlich nicht verübeln, saß doch vor dem Eingang der Höhle ein kleiner, sehr eigenwilliger Erdenbewohner. Mit Zylinder auf dem Kopf, Frack um den Körper und einem Zepter zwischen den Schwimmhäuten blickte er das Mädchen an und befahl ihr kurz darauf mit einem freundlichen „Quack!“ einzutreten.

Perplex, aber ermutigt durch die Freundlichkeit des Tieres, richtete sich das Mädchen auf und folgte dem Fröschchen in die Höhle.

Funkelnde Stalagmiten an den Seiten leuchteten beiden mit ihrem silbernen Schein den Weg wie Kerzen in der Nacht. Kurze Zeit später gelangten sie an einen großen, dunkelblauen See, der so tiefschwarz war wie die Nacht.

Der Frosch blieb ein wenig Abseits vom See stehen und gab dem Mädchen den Weg frei um näher zu treten. Vorsichtig setzte das Kind einen Fuß vor den anderen um nicht abzurutschen und gelangte alsbald ans Ufers des majestätischen Gewässers.

Als sie in die dunkelblaue Schwärze blickte, sah sie jedoch nichts weiter als ihr eigenes Antlitz im weißen Sommerkleid. Verwundert und etwas enttäuscht, da sie mehr erwartet hatte, wandte sie sich zu dem Frosch um. Der nickte ihr sehr nachdrücklich aufmunternd zu und bedeute ihr, seinen rechten Vorderfuß hebend, ihre Hand ins Wasser zu tauchen. Das Mädchen mit den dunkelbraunen Haaren trat wieder näher an das Wasser heran und steckte vorsichtig eine Hand hinein.

Im selben Augenblick da ihre Finger die Oberfläche berührten, überzog sich ihre Haut von Kopf bis Fuß mit Glitzer. Erschrocken fuhr sie zurück und im nächsten Augenblick war der Spuk schon wieder vorbei. Mit weit aufgerissenen Augen, die denen eines verängstigten Rehs glichen, und pochenden Herzen, funkelte sie den Frosch an. Ihr Herz klopfte noch immer bis zum Hals als sie den Frosch fragte: „Was war das?“

„Nun“, begann der Frosch mit tiefer Bassstimme zu antworten, „das ist der See der ewigen Jugend. Und da du heute Geburtstag hast ist es uns eine Freude dir dies zu schenken.“

Als sie das hörte beruhigte sich das Mädchen langsam. Voller Dankbarkeit gab sie dem kleinen, grünen Sumpfbewohner einen Kuss auf die Stirn und verließ in Windeseile die Höhle. Sie wollte so schnell wie möglich ihrer Mutter davon berichten. Doch als sie wieder im Freien stand merkte sie, dass ihr Abenteuer noch nicht überstanden war.

Kapitel 2 – Der König des Dschungels?

Statt auf einer Blumenwiese fand sie sich im tiefsten Dschungel wieder. Die Luft war feucht und tausende Geräusche, unterschiedlichster Art, prasselten auf sie nieder. Das kleine Mädchen hörte Affen schreien, Vögel zwitschern und weit entfernt nahm sie einen Wasserfall war. Als das Kind ein paar Schritte ging sah sie wie die Affen sich über ihrem Kopf durch das Grün der Bäume schwangen, bunte Papageien durch die Lüfte zogen und die Wildnis mit ihrer bunten Schönheit bereicherten. Zu ihren Füßen tummelten sich tausende kleiner Gesellen, die ihr den Weg frei machten sobald sie vorüber schritt.

Das Herz unserer Heldin sprang vor Glück. So viel Schönheit an einem Ort hatte sie noch nie zuvor gesehen. Fasziniert von dem ganzen Leben um sie herum, merkte sie nicht wie sich ihr ein anderer Dschungelbewohner näherte. Auf leisen Sohlen kam er näher und näher. Augenblicklich hörten die Affen auf zu brüllen, die Papageien verloren ihre Farbpracht und auch die kleinsten Tiere verkrochen sich so schnell wie möglich im Unterholz.

So langsam dämmerte es dem kleinen Mädchen das irgendwas nicht stimmte. Gerade als sie sich umdrehen wollte, ertönte ein lautes Brüllen nahe an ihrem Ohr und ließ sie zusammenzucken. Sie erschrak dermaßen, dass sie schreiend zu Boden sank und sich die Ohren zu hielt. Vorsichtig drehte das kleine Mädchen ihren Kopf und folgte der Spur aus Fell, die sich vor ihr aufbäumte. Am Ende blickte sie in die wilden Augen eines gigantischen Löwen. Er war so riesig, dass unser kleines Mädchen gerade einmal so groß war wie eine seiner Tatzen.

Vor Angst war sie wie erstarrt und widerstand dem Drang brüllend wegzulaufen, hätte es doch eh nichts genützt. Aufgescheucht und ebenso verängstigt schlich das Tier vor ihr hin und her. Da fasste die Kleine einen heldenhaften Entschluss, sie sah ihm direkt in die Augen und verbeugte sich dann tief vor dem König der Tiere.

Der Löwe blieb verdutzt stehen und blickte sie neugierig an. Als er merkte, dass er nichts zu befürchten hatte fing auch er an sich zu verbeugen. Und mit seiner Angst schwand auch seine Größe. Als er so groß war wie das Mädchen und in ihre freundlichen, großen Augen blicken konnte, fragte er sie: „Wie kommst du hierher?“

„Ich weiß es nicht“, antwortete das Mädchen mit zarter Stimme.

„Wie kann man so etwas denn nicht wissen?“, wunderte sich der Löwe und legte den Kopf leicht schief.

Daraufhin erzählte die Kleine was ihr bisher passiert war. Als sie fertig war wand sie sich an den Löwen und erkundigte sich: „Doch sag, wie kommst du hierher? Du wohnst doch eigentlich ganz woanders.“

„Ich habe mich verlaufen und jetzt finde ich den Weg zurück nicht mehr“, berichtete der Löwe traurig.

Als die Kleine das hörte wurde sie ebenfalls traurig, aber schon kurz darauf hatte sie eine Idee.

„Ich werde dir helfen“, erklärte sie und stemmte zur Untermalung ihrer Aussage ihre Arme in die Seite. „Ich werde dir helfen wieder nach Hause zu kommen.“

Erleichtert und froh über diese unverhoffte Hilfe schlang er eine Pfote um das Mädchen und eine dicke Freudenträne landete auf ihren Kopf. Als der Tropfen sie berührte durchfuhr ein leichter Schauer ihren Körper und eine kurze Zeit lang war ihr als sei ihre ganze Haut mit Wasser benetzt.

Der Löwe ließ das Mädchen los und lächelte sie vertrauensvoll an. „So viel Tapferkeit muss belohnt werden“, gab er zu verstehen. „Deswegen habe ich dir diese Träne geschenkt um dich unbesiegbar zu machen.“

Das klang wie Musik in ihren Ohren, war sie doch ihr ganzes Leben lang eher zurückhaltend und schüchtern gewesen. Ein wenig Tapferkeit und Mut konnte ihr sicherlich nicht schaden. Vor lauter Dankbarkeit gab sie auch dem Löwen einen Kuss auf seine dicke Mähne und gemeinsam marschierten die beiden los.

Kapitel 3 – Katz und Maus

Der Weg war beschwerlich, aber gemeinsam schafften sie es. Sie überquerten reißende Flüsse, sprangen über umgestürzte Baumstämme und wenn sie von wilden Kreaturen angegriffen wurden, so brüllte der Löwe so laut, dass sie schleunigst wieder verschwanden.

Wenn das Mädchen zu klein war, zu müde oder gar zu schwach, dann nahm der Löwe sie auf seinen Rücken und brachte sie sicher ans nächste Ziel. Waren die Hindernisse für beide zu hoch zu hoch, so kletterte die Kleine ebenfalls auf den Rücken ihres Freundes, flüsterte ihm gar Schauderhaftes ins Ohr und der Löwe wuchs zu einem Riesen heran und konnte so mühelos jedes noch so große Hindernis überwinden.

Schon nicht allzu lange Zeit später hatten sie das Ende des Dschungels erreicht und standen vor einem schier endlosen Meer aus Sand.

So langsam brach die Nacht herein und wirbelte den Sand auf. Die beiden Freunde suchten nach einem kleinen Versteck an dem sie die Nacht verbringen konnten. Doch das gestaltete sich schwieriger als erwartet, denn der Dschungel aus dem sie kamen war genauso schnell verschwunden wie er vor dem kleinen, tapferen Kind aufgetaucht war.

Während sie so suchten und suchten, wurde es kälter und kälter. Nach einer geraumen Zeit meinte der Löwe es sei besser sich hinzulegen bevor es stockdüster war. So kuschelte sich das Mädchen in das weiche, warme Fell ihres neuen Freundes und beide fielen in einen erholsamen Schlaf.

Sie schliefen schon lange tief und fest als eine kleine, fiepsende Stimme die kleine Heldin aus dem Schlaf riss.

„Ach, herrjemine, herrjemine“, rief die Piepsstimme immer wieder aufgeregt.

Das Mädchen blickte sich um, um den nächtlichen Störenfried ausfindig zu machen. Der Mond schien gerade so hell, dass man wage die Umrisse der umliegenden Dünen erkennen konnte, aber sonst konnte die Kleine niemanden entdecken.

Als sie die Stimme abermals hörte fragte sie in die Nacht hinein: „Hallo? Wer ist da?“

„Na ich bin es. Hier unten“, antwortete die Piepsstimme.

Und tatsächlich unten zu ihren Füßen, flitzte eine kleine Wüstenmaus ungeduldig hin und her.

Das kleine Mädchen kniete sich in den kalten Sand um die Maus besser verstehen zu können.

„Was hast du denn?“, wollte die Heldin dieser Geschichte in Erfahrung bringen.

„Ich suche den Eingang zu meinem Bau, aber ich finde ihn nicht. Ich vermute fast, dass der Wind ihn weggeweht hat. Was mach ich denn jetzt?“

Das Mäuschen fing an sich sein Näschen zu putzen um die Tränen aufzuhalten, die in ihr aufwallten.

„Vielleicht liegen wir auch drauf?“, überlegte das Mädchen und legte nachdenklich einen Finger an die rechte Wange. Sie richtete sich auf und schritt zu dem Löwen hinüber, der immer noch schlief, und weckte ihn. „Komm, lieber Löwe. Wach auf und rücke ein Stück beiseite“, bat sie ihren Kameraden.

Der Löwe gähnte laut, doch er dachte gar nicht daran Platz zu machen. Seit Tagen hatte er nichts gegessen und diese kleine Wüstenmaus kam ihm als Snack gerade gelegen. Er bleckte die Zähne.

Entsetzt riss das tapfere Mädchen die Augen auf und schimpfte: „Mein lieber Freund, was soll das? Diese kleine Maus vermisst ihr zuhause genau wie du deines. Du solltest dich schämen auch nur daran zu denken sie essen zu wollen.“
Beschämt legte der Löwe die Ohren an und murmelte: „Verzeihung.“

„Du würdest von so einer kleinen Maus eh nicht satt werden. Und nun sei so lieb und mach ein wenig Platz“, fügte das Mädchen noch etwas versöhnlicher hinzu.

Da der Löwe wusste wie recht sie hatte, gab er sich geschlagen, erhob sich und ließ sich ein paar Meter weiter wieder in den kühlen Sand fallen. Als der Löwe sich wegbewegt hatte fing die kleine Maus an zu jubeln, lag der Eingang ihres Baus doch dort wo sich kurz zuvor noch seine linke Hinterpfote befand.

Das kleine Mäuschen fiepste: „Oh danke schön, danke schön. Wartet einen Augenblick, ich möchte euch etwas mitgeben, da ihr so nett wart.“

Sie schlich in ihr Loch und ließ die Freunde verwundert stehen. Als sie mit vollen Backen wieder hervorkam, linste der Löwe neugierig herüber. Was konnte die Maus nur haben?

Flink kletter die Wüstenmaus auf die Schulter des Mädchens, ihren linken Arm hinunter und ließ ein paar Samen in ihre Hand purzeln.

„Pflanze sie ein und du wirst ein Leben lang diese Liebenswürdigkeit in deinem Herzen tragen.“

Dann gab sie der kleinen, klugen Dame einen Kuss auf die Wange, kletterte zurück und verschwand mit einem Lachen in ihrem Bau.

Heiter ließ das Mädchen die Samen in ihre Kleidertasche fallen wo sie in Sicherheit waren und da die Sonne bereits am Horizont aufging, machten die beiden Freunde sich wieder erneut auf den Weg. Gegen Mittag stand die Sonne so hoch, dass die Hitze schier unerträglich war. Die Hitze brannte dem Mädchen auf der Haut und auch wenn der Löwe leichten Schatten spendete gelang das Mädchen so langsam ans Ende ihrer Kräfte.

Kapitel 4 – Lachen ist die beste Medizin

Es traf sich, dass die beiden bald darauf ein Wasserloch fanden, an dem sich auch viele andere Tiere tummelten um eine kleine Abkühlung zu erhalten.

Während der Löwe sich ein kleines schattiges Plätzchen suchte, stürzte sich unsere tapfere Heldin so schnell sie konnte in die Fluten. Sie trank so viel sie konnte und das kühle Nass ran ihr nur so die Kehle runter. Als sie sich etwas akklimatisiert hatte vernahm sie nicht unweit der Stelle wo sie saß ein unterdrücktes Schluchzen.

Sie drehte sich kurz zu dem Löwen um und bedeutet ihm, dass sie kurz gucken ging was da los war. Der Löwe nickte leicht wie zum Einverständnis ließ die Kleine aber keinen Augenblick aus den Augen.

Die Ohren gespitzt, hatte sie kurz darauf denjenigen gefunden, der so bitterlich weinte. Als sie sich näherte sprach sie. „Hallo, lieber Elefant. Wieso weinst du denn so bitterlich?“

Der Elefant erschrak leicht, aber als er sah, wer sich ihm da näherte, fing er erneut an zu schluchzen und klagte nasal: „Mein Rüssel ist verstopft und nun kann ich weder trinken noch baden. Und es ist doch so heiß.“

Nachdem er dies ausgesprochen hatte strömten ganze Tränenbäche aus seinen Augen.

Das kleine Mädchen sprang einen Schritt zurück. Diese ganze Szene wirkte zu amüsant, aber weil sie nicht wollte, dass das arme Tier noch mehr litt, verkniff sie sich ein Lachen. Nach und nach versiegten die Tränen und das Mädchen konnte wieder ein paar Schritte auf den großen, grauen Riesen zugehen. Als sie nah genug vor dem Elefanten stand bat sie ihn aufrichtig ihr mal seinen Rüssel zu zeigen. Das tat der Elefant auch, aber die Kleine konnte nichts entdecken. Auch nicht in seinen Ohren, seinem Mund oder irgendeine andere Stelle die in Frage kam.

Als sie fertig war, sah sie den Elefanten ratlos an. Was konnte das arme Tier nur haben?

„Gibt es etwas dass du nicht verträgst?“

Der Elefant überlegte. „Eigentlich nicht, aber wenn man mich kitzelt muss ich niesen.“

Das ließ sich die kleine, schlaue Dame nicht zweimal sagen. Sie nahm sich einen Palmenwedel, der in der Nähe lag und kitzelte das große, graue Tier so lange bis es niesen musste.

Und was da alles raus kam, ihr werdet es nicht glauben. Die Tiere in der näheren Umgebung nahmen ärgerlich reiß aus, aber das kümmerte die beiden herzlich wenig und sie lachten sich scheckig, Als sie sich allmählich wieder beruhigten, atmete der Elefant tief ein und aus und bedankte sich aufrichtig.

„Nun ja, dein Rüssel ist so lang, ich konnte gar nicht alles sehen. Aber so wie du gesprochen hast musste er verstopft sein“, erklärte die kleine Heldin.

„Dass du mich gekitzelt hast war wirklich eine famose Idee.“ Der Elefant richtete sich auf und forderte die kleine Lady auf mit ihm zu kommen. Gemeinsam schritten die beiden zum Wasserloch, da tauchte der graue Riese seinen Rüssel ein und ließ eine Fontäne aus silberglänzenden Wassertropfen auf sie nieder rieseln, die im Licht der Sonne in allen Regenbogenfarben leuchtete.

„Du bist großartig und intelligent und ich möchte, dass du dich bei jeder Dusche und bei jedem Regenschauer, bei Sonne und wenn du einen Regenbogen siehst daran erinnerst. Bleib kreativ.“

Glücklich gab sie dem Elefanten einen Kuss auf seine Rüsselspitze. So einen tollen Geburtstag hatte sie wirklich noch nie.

Zurück beim Löwen fragte sie ob sie weiterziehen wollten. Wie viele Abenteuer würden da draußen wohl noch auf sie warten?

Aber der Löwe entschied: „Ach nee, es ist gerade so gemütlich hier und außerdem will noch jemand mit dir reden.“
Verdutzt starrte das Mädchen ihren Freund an. „Wer denn?“

Kapitel 5 – Jeder Name hat eine Geschichte

Der Löwe machte eine leichte Andeutung in dem er mit dem Kopf in Richtung Wiese nickte.

Das Mädchen hatte nicht geahnt, dass eine Oase so grün sein konnte. Sie ging ein paar Schritte in die Richtung die der Löwe ihr gezeigt hatte und stand dann unweigerlich wieder vor der Blumenwiese auf der sie tags zuvor getanzt hatte.

Panik stieg in dem Kind auf, wenn die Blumenwiese wieder da war, wo war dann ihr Löwe. Ängstlich dreht sie sich um.

Das Wasserloch und all seine Bewohner waren weg. Sie war nur noch umgeben vom hohen dichten Gras. Dem Mädchen stiegen Tränen in die Augen. Und tatsächlich war die Oase und alle Tiere die sich vorher um das Wasserloch gesammelt hatte verschwunden. Sie war nur noch umgeben vom hohen, dichten Gras der Blumenwiese. Tränen stiegen dem Mädchen in die Augen.

„Nicht weinen, meine Liebe“ zirpte eine sanfte Stimme ganz in ihrer Nähe.

Sie wandte sich wieder um und direkt in Höhe ihrer Nase saß, auf einem Blatt, eine Gottesanbeterin und sah sie mit großen, schwarzen Augen an.

Kurzzeitig war das Mädchen von dieser Nähe irritiert, hatte sie das Insekt doch vorher nicht bemerkt.

„Hallo“, antwortete die Kleine unsicher und machte einen leichten Knicks. „Kennen wir uns?“

„Wie man es nimmt“, zischte die Gottesanbeterin mit leiser Stimme. „Der Frosch hat mir von dir erzählt. Du musst ein wunderbarer Mensch sein, wenn er dich zur Grotte geführt hat. Daher habe ich dich gesucht und nachdem ich dich gefunden hatte, bin ich dir gefolgt und habe dich beobachtet.“

Das Mädchen lauschte gebannt, sie hatte nie bemerkt, dass sie verfolgt oder nun eher begleitet wurde.

„Ja, ich weiß nun warum er sich gerade dich ausgesucht hat. Alle deine guten Taten habe ich mitverfolgt, aber eine Frage ist noch ungeklärt.“ Verwundert blickte das Mädchen sie an. „Deinen Namen weiß, von all den Lebewesen denen du geholfen hast, keiner.“

Erstaunt hielt das Mädchen inne. Sie legte wieder ihren Finger an die Wange, wie sie es immer tat, wenn sie überlegte, aber sie wusste ihn nicht. Er fiel ihr einfach nicht ein.

Oder hatte sie je einen gehabt? Traurig blickte sie zu Boden.

„Ah, das dachte ich mir“, schmunzelte die Gottesanbeterin. „So manch einer vergisst bei diesen Abenteuern das eine oder andere. Aber das ist nicht schlimm. Auch ich habe noch einen kleines abschließendes Geschenk für dich.“

Verwundert blickte die kleine Heldin sie an.

„Jedes der Tiere die du getroffen hast, hat dir ein Geschenk mitgegeben, was dich auf deinem Lebensweg weiterbringen soll“, fuhr sie fort.

„Der Frosch gab dir die ewige J ugend.

Dein Freund der Löwe machte dich U nbesiegbar.

Die Wüstenmaus schätzte deine L iebenswürdigkeit.

Der Elefant schwärmte von deiner I ntelligenz.

Und ich sage dir: Du bist A ußergewöhnlich.

Jetzt hast du einen wundervollen Namen und zudem soll der Löwe auf ewig dein Begleiter sein.“

Die Gottesanbeterin spreizte ihre Fänger auseinander und ein gleißendes, blaues Licht breitete sich aus. Als das Mädchen sich umdrehte stand da, inmitten der fielen bunten Blumen, ihr allerbester Freund.

Sofort lief sie zu ihm hin und umarmte ihn und sein dickes, weiches Fell.

Eine Welle des Glücks, der Freude und Liebe durchströmte beide.

Als die Gottesanbeterin nun ihre Fänger wieder zusammenschloss, bebte der Boden leicht und das blaue Licht zerbrach in tausend kleine Kristallsplitter und rieselte auf die Freunde nieder.

Glücklich über dieses Geschenk und diesen unvergesslichen Geburtstag traten Julia und der Löwe ihren Weg nach Hause an.

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