Wenn Kinder krank werden…. – Meine Geschichten

Hier ein Husten, da ein Niesen, wenn man Kinder hat, dann gehört das ja schon zum Alltag. Man wächst mit seinen Aufgaben, wie es so schön heißt, deswegen gibt uns die Natur auch immer etwas zu tun. 3-Monats-Koliken, dann kommen die ersten Zähne, manchmal in Begleitung von Magenschmerzen, Fieber oder Appetitlosigkeit, und wenn wir das hinter uns haben beginnt ja auch schon das erste Jahr im Kindergarten. Was da kommt wissen wir auch alle: die erste Grippewelle sowie sämtliche ansteckende Krankheiten und permanent drückt man die Daumen, dass das Kind gesund bleibt.

Und wenn das Kind doch krank wird?

Dann hat man das Gefühl als würde ein Spiegel in tausend Scherben zerbersten und die Splitter abertausend kleine Narben in uns hinterlassen. Wir Mütter versuchen ruhig und rational zu bleiben, trösten, helfen und sind doch irgendwie hilflos. Es ist das Fundament unserer größten Sorge, jedoch nur die Spitze des Eisbergs auf dem unsere Kraft beruht „gelassen“ zu bleiben.

Zwischen Himmel und Hölle

Ich erinnere mich nur all zu gut an die Nacht bevor meine Tochter geboren wurde. 4:30 – Urplötzlich wurde ich wach, Fruchtblase geplatzt. Ich hechtete schnell wie ein junges Reh, das anscheinend zu viel gegessen hatte, ins Bad, als auch schon mein Sohn vor mir stand. Kreidebleich, die Lippen blau, die Augen glasig. Danach wechselte ich zwischen seinem (Kranken)Bett und dem Bad hin und her. Im Hinterkopf immer die Frage, wann es denn angemessen wäre, meine Eltern zu informieren, dass sie ihren Enkel heute nehmen müssten, der allerdings fiebert. Gegen 7 Uhr fuhren wir ins Krankenhaus und für meinen Mann ging es danach weiter zu den Großeltern, die ihre Schichten so legen konnten, dass ihr Enkel sich kurieren kann. Was für ein Glück.

Nur ich lag da, in meinem sterilen Zimmer, neben einem frisch gebackenen Elternpaar. Keine Wehen, nur die quälende Gewissheit, dass ich jetzt nicht bei meinem Sohn sein kann. Es war schrecklich. Das Fieber ging auch am nächsten Tag nicht weg, also gab ich meine Tochter, die gerade Mal 1 Tag alt war, zu den Schwestern um für 1 Stunde in die angrenzende Notaufnahme zu gehen und meinen Sohn im Arm zu halten. Ich weiß noch er war glühend heiß und zitterte wie Espenlaub, Diagnose: 3 -Tage-Fieber, weitermachen wie bisher. Dann ging mein Mann mit meinem Sohn wieder nach Hause und ich auf mein Zimmer. Mit Tränen in den Augen hielt ich meine Tochter im Arm, küsste sie, war froh, dass sie gesund war, doch gleichzeitig brach mein Herz, weil mein Sohn, so krank, seine Mama nicht bei sich hatte.

Am nächsten Tag durften wir mittags nach Hause und zwei Tage später waren alle wieder fit. Aber die Angst, noch einmal so hilflos zu sein, die blieb.

Eineinhalb Jahre später

Es war der 28.2.2017 – Ich war gerade mit ein paar Freundinnen im Brautmodengeschäft, ich hatte mein Traumkleid gefunden, es eben angezogen, als meine Trauzeugin auf mich zukam und mir sagte, dass ich nach Hause muss. Meine Tochter bekomme kaum Luft und ihre Sauerstoffzufuhr war im Keller. Wieso liegen Glück und Trauer nur immer so nah beieinander?

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Wir beeilten uns, holten sie ab und gingen sofort ins Krankenhaus. Dort angekommen mussten wir wieder gefühlt eine halbe Ewigkeit warten. Endlich waren wir an der Reihe. Mein Mädchen sollte die nächsten Tage zur Beobachtung drin bleiben. Das war ok für uns, denn damit hatten wir schon gerechnet. Womit ich nicht gerechnet hatte war die Panik die mich ergriff, als ihr ein Zugang gelegt werden sollte.

Dieses Mädchen hat fast alles von mir, auch das man die Venen schlecht sieht. Es wurde probiert und gepiekst. Es gab blaue Flecken und ich dachte nur wie unfähig alle waren. Was taten sie meinem schönen Kind da an. Dann wurde mir dazu geraten einen Zugang am Kopf zu legen, das wäre wohl geläufig, denn die Haut da ist noch ganz weich und man bekommt das wohl besser hin. Ich wollte das nicht, alles in mir sträubte sich. „Das ist ganz ungefährlich.“, wurde mir gesagt. aber ich dachte nur, dass nichts was am Kopf passiert ungefährlich sein kann. Ich wollte einfach nicht, aber irgendwas musste passieren, also ließ ich es zu.

3 Personen waren nötig um ein kleines Mädchen festzuhalten, damit der Zugang gelegt werden konnte. 3 Erwachsene und 1 Arzt, der die Spritze oder Kanüle, was weiß ich, setzt, gegen 1 zartes, wehrloses kleines Mädchen. Auch jetzt habe ich noch immer einen Kloß im Hals, wenn ich daran zurück denke. Endlich durfte ich sie wieder auf meinen Arm nehmen, aber gleich kam die nächste Ernüchterung, sie sollte in so einem riesigen großen Gitterbett schlafen, das so völlig fremd und ungemütlich war.

Das ist jetzt kein Vorwurf, denn so ist es nun einmal, aber für ein kleines Kind, was aus seiner gewohnten Umgebung gerissen und in ein fremdes Bett gesteckt wird, ohne zu wissen wieso, weshalb, warum muss das doch echt gruselig sein. Ich versuchte sie darin zum Schlafen bringen. Es klappte, mehr schlecht als recht. Doch mitten in der Nacht war sie wieder wach. Ich konnte es ihr nicht verübeln, in so einem Bett hätte ich auch nicht schlafen können. Als ich zu ihr hinüber ging, bemerkte ich jedoch, dass sie anders aussah. Als die Schwester kam, sagte mir diese, dass die Kanüle verrutscht sei. Das passiert wohl hin und wieder. Da es allerdings mitten in der Nacht war, entfernte sie die Kanüle nur und legte keine Neue. Puh, zum Glück.

Doch wirklich beruhigt war ich nicht, der Kopf meiner Tochter schwoll immer mehr an und sie ähnelte einem Alien. Was hatte ich meinem schönen Kind nur angetan? Wasser war hinter das Gewebe gelaufen und deshalb ist die Kopfdecke angeschwollen, das geht wieder weg, erklärte man mir. Einmal, zweimal, zehnmal…. doch du kannst es so oft hören wie du willst, von verschiedenen Personen, zu unterschiedlichen Zeiten. Du glaubst es erst, wenn du es siehst.

Innerhalb des darauffolgenden Tages schwoll es ab. Meine kleine tobte, so gut es ging, denn man kann ein Kind was sich bewegen will nur schwer ans Bett fesseln. Sie stolperte, bekam eine Beule und verhakte sich etwas am Bett. „Wenn sie so weitermachen, brechen sie ihrer Tochter noch das Bein.“

Boom, das saß. Ich wollte keinen Tag länger in diesem Krankenhaus bleiben. Ich war fertig mit den Nerven, denn was einem keiner sagt und was man auch ausblendet ist, das ein Krankenhausaufenthalt mit Kind auch für die Mütter anstrengend ist. Es ist eine völlig neue Situation an die man sich anpassen muss. Man ist irgendwie eingesperrt und kann nicht so agieren wie man gerne würde. Beim nächsten Mal bin ich besser vorbereitet, denn man wächst mit seinen Aufgaben. 🙂

Kategorien Hobbyist

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