Mama, müde, ausgebrannt

„Ich kann nicht mehr.“ Wie ein Schnellzug rast der Satz durch meinen Kopf. Immer und immer wieder. „Ich kann nicht mehr.“

Schon seit Tagen fühle ich mich irgendwie leer, ausgebrannt. Einfach müde. Dabei versuche ich mich schon zu entspannen. Soweit wie es geht. Doch, dass ist alles andere als leicht. Denn sobald du dich als Mutter mal aufs Sofa legst, kannst du damit rechnen, dass eins deiner Kinder direkt wieder neben dir steht und dich um etwas bittet. Manchmal delegiert man auch die Aufgaben an den Vater, das größere Geschiwsterkind oder einer anderen Person, die gerade da ist, einfach nur, damit man nach einem langen Arbeitstag einmal für fünf Minuten die Beine hochlegen kann.

Und prompt meldet sich das schlechte Gewissen, denn wenn dein Kind klein ist und einen Wunsch hat, dann bist DU es ihm schuldig dieses Bedürfnis zu erfüllen und niemand sonst. Also rappelst du dich auf, gibst deinem Kind was es wollte und machst dich dann daran den Rest Hausarbeit zu erledigen. Wäsche waschen, Essen kochen. Ausruhen kann man sich ja später.

Aber es gibt kein später, denn irgendwie ist ja immer was zu tun. Die Nächte ziehen sich dahin, ständig wacht man auf. Ich weiß schon lange nicht mehr, wann ich die letzte Nacht richtig durchgeschlafen habe. Morgens bekomme ich schon manchmal Bauchschmerzen, wenn ich nur daran denke, was ich noch alles zu tun habe. Und dann ist ja immer noch diese Stimme im Kopf, die mir einerseits sagt: „Ich kann nicht mehr.“ Und dann wieder laut schreit: „Andere schaffen es doch auch.“

Genau da ist das größte Problem – andere schaffen es auch. Leute, die alleinerziehend sind, die Krankheiten haben und mit Schmerzen leben müssen, die ich mir vermutlich nicht mal vorstellen kann, oder die viel mehr Kinder haben als ich. All diese Mütter und Väter schaffen es doch auch. Wieso also ich nicht?

Diese Frage wirft mich in ein tiefes Loch, in dass ich immer tiefer Falle. Die Angst nicht mithalten zu können wird stärker. Die Last auf meinen Schultern nimmt zu. Ich habe das Gefühl keinem mehr gerecht werden zu können, schon gar nicht meinen Kindern. Meine Seele leidet und ich heule, jeden Tag. Denn jeden Tag habe ich das Gefühl wieder etwas vermasselt zu haben und sei es nur, weil ich mein Kind ermahne.

„Ich kann nicht mehr!“

Letzte Woche Montag war Schluss und ich bin zum Arzt.

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Trotzdem verstehe ich es nicht. Bin ich nicht tough genug? Wieso bekomme ich es nicht gebacken? Wieso bin ich so im Arsch? Meine Mutter sagt, dass jeder anders belastbar ist. Schön, jetzt bin ich also auch nicht belastbar. Die Verzweiflung setzt sich fort und lässt sich auch nicht dämmen. Meine Familie rät mir, dass ich zuhause bleiben, fit werden soll, aber ich bin doch gar nicht wirklich krank, oder? Mein schlechtes Gewissen flüster mir zu, dass ich zur Arbeit zurückkehren soll. Mein Verstand schreit mich an: „Bist du bescheuert? Du bist erschöpft und auch Erschöpfung ist eine Krankheit!“

Burn-Out?

Immer wieder hört man, dass mehr und mehr Mütter daran leiden. Die Arbeit und das Familienleben miteinander zu vereinbaren, fällt zunehmend schwer.

Also befrage ich mal Mr. Internet und stoße dabei auf den Link von Lasea und die 4 Phasen des Burn-Out.

  1. schleichende Unzufriedenheit und erste Anzeichen der Erschöpfung
  2. wachsende Selbstzweifel und Frustration, abnehmende Motivation und Einsatzbereitschaft
  3. Zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber Job und menschlichem Umfeld
  4. Persönlicher Rückzug, Isolation vom sozialen Umfeld. Depression, Verzweiflung und komplette Handlungsunfähigkeit.

Ich persönlich sehe da parallelen zu meinem jetzigen Befinden und es ist wichtig für mich JETZT die Reißleine zu ziehen ehe es schlimmer wird. Ich möchte, wenn ich wieder zur Arbeit gehe fit und gesund sein. Mich selber wieder lieben und das Gefühl haben genug Zeit für meine Familie zu haben. Bald beginnt für uns alle hier sowieso ein neuer Lebensabschnitt, der noch einmal richtig anstrengend wird, denn eine Ausbildung mit zwei kleinen Kindern nebenher ist kein Pappenstiel, aber es lohnt sich, denn es wird uns in Zukunft bestimmt besser gehen. Dafür brauche ich aber Energie und die hole ich mir jetzt!

Wie schöpft man neue Energie?

  • Distanz zur Arbeit aufbauen (bei Müttern und Kindern etwas schwierig)
  • Perfektionismus ablegen (Fehler passieren und sind keine Schande)
  • Nein sagen lernen (erst auf die eigenen Bedürfnisse hören, dann ist auch anderen geholfen)
  • Täglich erholen (gezielt Ausgleiche schaffen)
  • Entspannungstechniken, wie z.B. autogenes Training, lernen
  • Stress „davonlaufen“ (3 Mal die Woche Jogging hilft Stress vorzubeugen)
  • Eine kleine Freude am Tag machen
  • Tagebuch schreiben (am Abend aufzuschreiben was einem heute gut gelungen ist, kann helfen das Selbstwertgefühl zu steigern)

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Kategorien Hobbyist

2 Kommentare zu „Mama, müde, ausgebrannt

  1. Zwei Bücher zum Thema Burnout, die ich beide gelesen habe und deswegen empfehlen kann:
    Einfacher Einstieg in das Thema, auch für die Familie von betroffenen sinnvoll. Als eine Erzählung geschrieben, aber mit Übungen die helfen:
    http://amzn.to/2B80pqD
    Sachbuch mit viel Inhalt und Tipps:
    http://amzn.to/2mGsEHJ
    Bei Fragen einfach melden.

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    1. Super danke. Das ist auf jeden Fall hilfreich. 😊

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