Gleichberechtigung beginnt im Kopf

Buntes Berlin

Wie viele andere Menschen arbeite ich in einem Beruf in dem ich tagtäglich mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun habe. Dabei rede ich nicht nur von Aussehen und Geschlecht, Hautfarbe und Nationalität, sondern auch von tausenden unterschiedlichen Charakteren, die mir jeden Tag begegnen. Hinzu kommt, dass ich in Berlin wohne, einer Weltstadt, einer Metropole, die sich stets mit ihrer Vielseitigkeit und Toleranz rühmt. Das liebe ich auch so an Berlin, man muss wirklich nicht weit gehen um interessanten Leuten zu begegnen. So gut wie an jeder Straßenecke warten interessante Geschichten auf uns und zwar aus jedem Teil der Erde.

Wie kommt es dann aber, dass ich das Gefühl habe, dass es so viele intolerante Menschen in dieser Stadt gibt? Ist alles nur Fassade oder bin ich einfach zu sensibel?

Vor einiger Zeit kam ein Gast in unser Restaurant. Eine Frau mittleren Alters, sehr hochgewachsen, die mich schüchtern ansprach, ob wir denn Kaffee hätten. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, doch sobald sie etwas lauter sprach, bemerkte ich, dass sie für eine Frau, doch eine ziemlich raue Stimme besaß. Beim zweiten Blick sah man dann auch die etwas kantigeren Gesichtszüge, die darauf schließen ließen, dass sie früher mal ein Mann war.

Mir war das egal, denn ich mag es, wenn Leute sich zu diesen schweren Schritt entscheiden, damit es ihnen im Nachhinein besser geht als vorher. Es gibt nämlich nichts schlimmeres als sich in seiner eigenen Haut nicht wohl zu fühlen. Und solange jemand nett zu mir ist, sich nicht abfällig über andere äußert und respektvoll mit seinen Mitmenschen umgeht, solange bin ich auch freundlich zu ihm.

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Wir predigen Toleranz, aber wir leben sie nicht

Doch leider verriet ihre ganze Körpersprache, dass sie sich total unwohl fühlte. Irgendwie beobachtet. Obwohl sie mit ihrem Partner oder einem Freund gekommen war, konnte sie ihre Anspannung nicht ganz ablegen. Und kurz darauf wusste ich auch wieso, denn kaum hatte sie sich an den Tisch gesetzt kamen zwei meiner Kollegen auf mich zu und fragten, ob das jetzt eine Frau war oder ein Mann. „Eine Frau.“, sagte ich und blickte in zwei irritierte Gesichter, also ergänzte ich, dass sie halt früher mal ein Mann war, dass man das aber nur noch etwas an der Stimme erkannte. Der eine fand es gut, der andere verzog schäbig das Gesicht.

Wieso? Wieso macht man so etwas?

Das ist unverschämt und falsch. Als ich ihn daraufhin fragte, was ihn denn daran störte, konnte er es mir nicht einmal begründen. Er sagte, dass er kein Problem damit hätte, er finde es eben nur komisch.

Es passte anscheinend einfach nicht in sein Weltbild.

Toleranz beginnt bei uns

Meine Uroma ist gestorben als ich noch sehr jung war, doch mein Vater erzählte mir immer und immer wieder, dass sie alle Menschen gleich behandelt hat, egal ob Nachbar oder Fremder. Als junges Mädchen fand ich das unglaublich beeindruckend. Es zeigte mir schon damals, dass meine Oma ein besonderer Mensch war, mit wahrer Größe. Und schon damals habe ich es mir zu meinem Mantra und meiner Aufgabe gemacht, es ihr gleichzutun. Ich habe dadurch auch das Gefühl, sie zu ehren und in Erinnerung zu behalten. Sie soll stolz auf mich sein. Außerdem fühlt es sich einfach gut an.

Denn man kann einen Menschen nicht in eine Schublade stecken, deshalb sind wir ja alle so individuell. Man kann weder von unserer Hautfarbe oder unserer Religion, weder von unserer Schulbildung noch von unserer Nationalität ableiten wie wir ticken. Man muss uns als Menschen erst einmal kennen lernen, unsere Geschichte hören und ein wenig den Charakter studieren um zu wissen wie wir sind. Und warum wir so sind wie wir sind.

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Es ist schön, dass die Gesellschaft sich für das „ungewöhnliche“ immer mehr öffnet, was auch den vielen Homosexuellen und Transgendern zu verdanken ist, die sich nicht mehr verstecken, sondern offen mit ihrer Sexualität umgehen. Auch in Filmen wird das Thema Homosexualität immer mehr mit einbezogen und somit „gesellschaftsfähig“ gemacht. Doch als Disney bekannt gab, dass Elsa im nächsten Film eventuell lesbisch werden soll und ihr eine Freundin an die Seite gestellt wird, da habe ich viele ungläubige Blicke gesehen und Kommentare gehört wie „Muss das sein?“ und „Warum muss sie denn jetzt lesbisch werden?“

Viele waren der Meinung, dass man so etwas den Kindern nicht vermitteln muss und unweigerlich sah ich vor meinem geistigen Auge, wie Eltern im Kino sitzen würden und ihren Kindern die Augen zu hielten. Völlig übertrieben, denn was wir Erwachsenen oft vergessen ist, das Kinder vorurteilsfrei sind. Sie verurteilen nicht, sie fragen nur nach und ich sehe nichts schlimmes daran, wenn man ihnen erklärt, dass das zwei Menschen sind, die sich lieben. Denn all das wird erst zu einem Problem, wenn wir eins draus machen.

Es ist eben alles nur eine Sache der Gewöhnung. Also, machen wir uns frei von Klischees und hören auf in Schubladen zu denken.

Oder wie seht ihr das? Schreibt eure Meinung gerne mal in die Kommentare.

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