1 Jahr Mr. & Mrs.

Something old, something new,
something borrowed, something blue
and a silver sixpence in her shoe.

Ein Jahr ist vergangen. Genau wie ein Jahr zuvor werde ich von zarten Sonnenstrahlen geweckt, die Luft ist frisch und es ist etwas kühl, aber der Tag verspricht wunderbar zu werden. Ich blicke in den Spiegel und denke daran wie ich mich letztes Jahr, zu etwa der selben Zeit gefühlt habe. Die Gedanken daran verleihen mir wieder ein angenehmes Prickeln auf der Haut und lassen mein Herz schneller schlagen. Von Nervosität war damals allerdings weit und breit keine Spur – nur pure Vorfreude. Gott sei Dank, wusste ich da auch noch nicht was für ein Chaos am Abend herrschen würde.
Ich stieg aus dem Bett, duschte, trank Kaffee und hing sogar noch völlig entspannt die Wäsche auf, um nicht unverrichteter Dinge vor den Altar zu treten.
Gegen viertel nach Sieben holte mich meine sehr nervöse Trauzeugin ab, was für mich immer ein gutes Omen ist, denn sobald andere nervös und hibbelig werden, werde ich die Ruhe selbst. Der Termin bei meinem Lieblings-Frisör glich eher einem Frühschoppen mit guten Freunden. Mit etwas Verspätung, machten wir uns auf den Weg zum Standesamt, vor dem der Bräutigam schon ungeduldig und etwas panisch wartete. Perfekt!

Yes, I do!

Wie in einem guten Liebesfilm in dem der Mann kurz vor Schluss denkt, dass seine Frau noch abspringt um sie dann freudestrahlend in Empfang nehmen zu können. SO hatte ich mir das immer vorgestellt. Doch noch musste er sich gedulden, denn wir hatten ausgemacht, dass wir uns erst vor dem Altar sehen. Nachdem die Standesbeamtin die anderen Gäste schon in den Saal geführt hatte, holte sie mich aus meinem Versteck ab und führte mich ins Vorzimmer, wo ich noch eine zeitlang warten musste. Dann ging zum ersten Mal die Tür auf und mein Papa kam herein.
Nachdem ich schon aussah wie eine Prinzessin, ging noch mein zweiter Kleinmädchentraum in Erfüllung, denn mein Papa und Held durfte mich vor den Altar führen. Als endlich die Musik erklang, konnte ich es kaum noch erwarten und mein Herz wummerte wie verrückt. Als die Flügeltüren aufgingen und ich endlich losgehen durfte, hatte ich nur noch Augen für meinen Mann und als ich ihn sah, konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Völlig blind rannte ich anscheinend nach vorne, denn mein Vater raunte mir noch zu „Hetz nicht so.“ Tja, zu spät, da waren wir bereits vorne. Persönlich dachte ich, dass ich ganz langsam gelaufen bin – wie einen die Sinne täuschen können. ❤

Das nächste Highlight war meine Tochter, die auf mich zugerannt kam um mich zu umarmen. Ich fühlte mich wie Sissi, im 3. Teil, als sie nach Ungarn reist und ihre Tochter über den roten Teppich auf sie zurennt, beide sich umarmen und Jubelstürme ausbrechen. Ja, ich fühlte mich wie eine Prinzessin und sah auch so aus. Mein Vorsatz alle sprachlos zu machen und vor Freude heulen zu lassen war aufgegangen. Yes!
Kurz danach waren wir auch schon verheiratet. So viel Action für eine halbe Stunde Spaß. 😀

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Rückblickend, hätte mir die Trauung gemeinsam mit dem Fotoshooting danach, total gereicht.
Aber letztes Jahr nicht, letztes Jahr wollte ich noch eine Party.
Rückblickend, eine schlechte Entscheidung.
Die Location war gut gewählt, die Tischdekoration (alles aus eigener Hand) ein Traum, doch der Kuchen war noch halb gefroren, weil wir vergessen hatten ihn rechtzeitig rauszunehmen und damit fing das Chaos an. Wir hatten einige Gäste, die aus Sachsen nur für diesen einen Tag angereist waren und die seit dem Frühstück nichts gegessen hatten. Eigentlich hieß es sie wollten sich Pizza bestellen, haben sie aber nicht, also musste halb gefrorener Kuchen gegessen werden. Egal, war trotzdem lecker.
Wir machten Shots mit Nimm 2 und Vodka, die auch 5 Stunden später nur nach Vodka schmeckten und dessen Bonbon man danach lutschen konnte. Widerlich, hob aber die Stimmung.
Gegen 18 Uhr bekamen die Kinder Hunger und zu 18 Uhr war auch der Caterer bestellt, der kam allerdings nicht. Alle Versuche ihn zu erreichen scheiterten. Ich vermute bis heute, dass es mein Fehler war und ich irgendeine Mail nicht richtig beantwortet habe. Zählte zu dem Zeitpunkt aber wenig, denn wir hatten Hunger, kein Essen und mittlerweile war es nach 19 Uhr. Gott sei Dank hatten wir dem Caterer noch kein Geld gezahlt. Spontan beschloss ich mir einen Schnaps zu genehmigen, denn ich hatte mir geschworen mir von nichts und niemandem an diesem Tag die Laune verderben zu lassen und mein Mann fuhr mit meinem Schwiegervater zum nächsten Italiener und kam gegen 20:00 mit haufenweise Essen wieder, Pizza, Salate, Geschnetzeltes, Bohnen et cetera. Alle waren begeistert, das essen schmeckte großartig und durch diese spontane Aktion hatten wir sogar Geld gesparrt. Noch heute wird darüber geredet, also würde ich sagen, haben wir alles richtig gemacht.

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Alles in allem war es eine schöne Feier mit all unseren Liebsten, unseren Freunden, unserer Familie und doch würde ich beim nächsten Mal manches anders machen. Ich würde den selben Mann heiraten, aber nach der Trauung nur mit der Familie und den Trauzeugen essen gehen. Irgendwo an einem See, wo man auf einer Seeterrasse tanzen kann oder auf einem Boot. Mal sehen, vielleicht ja in 9 Jahren um das Eheversprechen zu erneuern. Ich finde das eine schöne Geste und es macht ja auch Spaß sich einmal so richtig aufzubrezeln. Außerdem bin ich gespannt ob mir mein Brautkleid dann immer noch passt. 😀

Die Ehe verändert einen

Solche und ähnliche Weisheiten hört man immer wieder. Unser Leben hat sich grundsätzlich nicht geändert. Wir sind immer noch die Alten – streiten, lieben, lachen und weinen immer noch miteinander. Doch die Art wie wir miteinander streiten, lieben, lachen und weinen hat sich verändert und ist irgendwie intimer geworden. Wir sind diplomatischer geworden, reden noch offener über unsere Vorlieben, Wünsche und Probleme als vorher und warten nicht mehr darauf bis es zu spät ist. Allgemein ist die Bindung zwischen uns enger geworden und ich denke, dass hängt viel mit dem Eheversprechen zusammen. Ich persönlich handele besonnener, denn irgendwie hängt jetzt mehr dran als vorher. Eine Beziehung kann man leicht beenden, eine Ehe zwar auch, aber wer will das schon. Wir „Normalsterblichen“ heiraten meistens nur einmal im Leben und das soll dann bestenfalls auch ein Leben lang halten. Deshalb kämpft man wohl eher um eine Ehe als um eine Beziehung, die man heutzutage als leicht zu ersetzen ansieht.

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